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Brandheiße Premiere
22. Juli 2010 21:30 Uhr in Feuerwehr
Ein Szenario wie in einem Horrorfilm: verbrannte Erde, verkohlte Baumstümpfe, Rauchschwaden wabern durch die stickige Luft. Der Boden ist glühend heiß, das Atmen fällt schwer. Mittendrin steht Marcel Horn.
Als vor einigen Wochen der Wald am Möhnesee in Flammen stand und ein Großaufgebot der Feuerwehr das Schlimmste zu verhindern suchte, kämpfte der 22-Jährige an vorderster Front. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Soest leistet Marcel ein Freiwilliges Soziales Jahr ab. Als erster FSJler in ganz Nordrhein Westfalen.
„Ich bin an dem Tag des Waldbrandes mit dem Abrollbehälter Wasser ausgerückt, um die Feuerwehr Möhnesee zu unterstützen“, schildert Marcel: „Es war wirklich unglaublich heiß, aber eine interessante Erfahrung.“ Einen solchen Waldbrand sieht ein Feuerwehrmann schließlich nicht alle Tage.
Einsatzerfahrung ist unbezahlbar
„Die Einsatzerfahrung, die ich hier sammeln kann, ist einfach unbezahlbar. Für mich persönlich und auch für meine Löschgruppe in Echthausen“, so Marcel. In Echthausen wohnt der junge Feuerwehrmann. Dort ist er aufgewachsen und hat auch seine ersten Lösch-Erfahrungen in der Jugendfeuerwehr gesammelt.
Mit zehn Jahren ist er in seinem Heimatdorf bereits in die Feuerwehr eingetreten. Später mit der Volljährigkeit kam auch der Wechsel in die aktive Freiwillige Feuerwehr. In Echthausen ist Marcel bis heute aktiv und mittlerweile sogar stellvertretender Gruppenführer.
Immer schon war das Brandbekämpfen sein Traumberuf. Für das Soziale Jahr entschied sich Marcel nach seiner Lehre zum Industriekaufmann. „Ich wollte sehen, ob die Feuerwehr eine berufliche Perspektive für mich sein kann“, erinnert sich der 22-Jährige, dem es vorrangig auch um die Einsatzerfahrung ging, die er sammeln wollte.
An Einsätzen mangelte es Marcel in seinem Sozialen Jahr bisher nicht. Über 100 Mal rückte er mit den Soester Löschzügen zum Einsatz aus. Hauptsächlich geht es dabei um die Wartung von Brandmeldeanlagen, um Kleinstbrände und technische Hilfsleistungen.
Auch schon Katze aus einem Baum gerettet
Doch Marcel wäre ja kein Feuerwehrmann, wie er im Buche steht, wenn er nicht auch schon einmal eine Katze aus einem Baum gerettet hätte. „Das habe ich tatsächlich einmal getan, allerdings in Echthausen. In Soest musste ich dafür schon eine Graugans einfangen“, verrät Marcel lachend. Doch auch tragische Momente gehören zum Job eines Feuerwehrmannes. So gibt es immer wieder Unfälle, bei denen Menschen aus Autowracks geborgen werden müssen oder so genannte „Bahnunfälle“, bei denen Menschen zu Tode kommen. Für solche Momente steht den Brandbekämpfern stets ein Seelsorger zur Verfügung. Marcel aber musste auf dieses Angebot noch nie zurückgreifen. Mit Kollegen zu sprechen, die bei dem tragischen Einsatz mit dabei waren, hilft ihm über die belastenden Erlebnisse hinweg. „Bis jetzt hat mich noch kein Einsatz verfolgt“, beschreibt Marcel: „Mit Hilfe meiner Kollegen kann ich alles recht gut verarbeiten.“
Seine Kollegen sind auch ein wichtiger Grund, warum sich Marcel in dem Job wohl fühlt. Die Kameradschaft und das soziale Engagement waren für ihn ausschlaggebend, sich für das Soziale Jahr zu bewerben. Außerdem schlägt sein Herz für die Technik, mit der er bei der Feuerwehr arbeiten kann.
Die Gerätewarte bei ihrer Arbeit zu unterstützen, die Geräte zu prüfen und die Fahrzeuge, die aus modularen Systemen bestehen, umzubauen gefällt dem 22-Jährigen sehr. Besonders viel Spaß macht Marcel auch die Brandschutzerziehung, die er an einigen offenen Ganztagsschulen der Diakonie in Soest durchführen darf.
Marcels Wunsch auch zukünftig im Bereich Feuerwehr zu arbeiten, hat das Freiwillige Soziale Jahr gefestigt. Und hat ein so erfahrener Feuerwehrmann noch Angst vor den heißen Flammen? „Angst vor dem Feuer darf man bei der Feuerwehr nicht haben“, so Marcel, „aber Respekt!“
Quelle: Soester Anzeiger


